Napoliane
Man nannte sie Napoliane und sie trug ihren Namen wie eine Krone. Seit ihrer Kindheit sagte ihr Vater : “ Du hast besonderes Blut , blaues Blut . Napoleons Blut.“
Anscheinend hatte mal ein Onkel von ihm eine Ahnenforschung gemacht. Und so ging Napoliane durch die Welt mit erhobenem Kopf tagein tagaus . Den Vogel sah sie somit auch nicht .
Bis zu ihrem 58. Geburtstag .
Ein guter technikbegeisterte Freund , typisch wie er war , hat nur kurze Zeit benötigt , um mit einer KI ihre Familiengeschichte zu recherchieren . Zu ihrem Geburtstag überreichte er ihr stolz einen Umschag.
Das Ergebnis :
0% französisch !! 87 % schwäbischbadisch !13% hessisch !
Puh ! Da saß Napoliane aber erstmal lange still da – bis sie anfing zu lachen, dass selbst die Nachbarn an der Tür klopften .
87 % schwäbischbadisch !! rief sie lauthals lachend herraus. Mein Leben lang hab ich immer gern Croissants gegessen und Cafe Crema getrunken und aus Maultaschen hab ich keinen grossen Akt gemacht …..oder doch ????
Da meldete sich ihre Mutter zu Wort, die zuvor nur zugehört hatte.“ Auch mein Onkel Ernst hat mal eine Ahnenforschung gemacht „
Absolute Stille.
“ Und wir stammen von einem badischen Koch ab. Er hiess Näbolli . Ein sehr guter Koch. „
Lange schaute Napoliane nun aus dem Fenster heraus – ja und vielleicht dachte sie sogar in dem Moment, dass man Identität nicht als Erbe empfangen kann – sondern dass man sich sein Süppchen täglich kocht. Mit eigenen Händen und aus den Zutaten die einem das Leben geben.
Vielleicht hat ja der Koch Näbolli mehr Herzen erwärmt und Menschen satt gemacht als es jeder Kaiser je konnte.
Nicht mit Macht – sondern mit schwäbbische Maultäschlen .

Wie oft bauen wir unsere Identität auf Geschichten, die andere über uns erzählen. Auf Namen, Herkunft oder auch Erwartungen .
Worauf baue ich , wenn dies wegfällt oder unintressant wird ?
Was hinterlässt Spuren ?
( Bild mit KI generiert )
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